Essbarer Waldgarten

Essbare Waldgärten nennt man dauerhafte, vielfältige, nahrungsproduzierende Pflanzungen, die sich dem Vorbild eines artenreichen Waldes annähern. Wildpflanzen, Nutzpflanzen und Tiere werden einander so zugeordnet, dass sie sich gegenseitig fördern und gemeinsam ein stabiles System ergeben, das den Waldgärtner zuverlässig mit Nahrung und einem angenehmen Lebensraum belohnt. Die Permakultur versucht naturnahe Systeme aufzubauen, die als ein ganzheitliches Konzept zwischen Natur und Mensch gesehen werden können. Die Aufmerksamkeit der Permakultur richtet sich dabei nicht nur auf einzelne Bestandteile, wie es in der konventionellen Landwirtschaft der Fall ist, sondern insbesondere auf die vorteilhaften Beziehungen zwischen den verschiedenen Elementen und deren optimale Nutzung für den Aufbau produktiver Systeme (MOLLISON 1981 S.25).

Ein solches naturnahes System ist der Waldgarten, der Produkte erzeugt, die weniger Pflege benötigen als beispielsweise ein einschichtiger Gemüsegarten (KLEBER 2010 S.29 f). Obwohl die Produktivität für das Design im Vordergrund steht, schafft ein Waldgarten durch seine funktionale Diversität auch Nischen und Nahrung für andere Lebewesen.

Ein Waldgarten kann in sieben Schichten (Hochstämme, Halb- und Niederstämme, Strauchschicht, Gemüse- und Kräuterschicht, Wurzelbereich, Bodendecker) und die vertikale Schicht (Kletterpflanzen) eingeteilt werden, obwohl die Schichten in einem natürlichen System keine Trennlinien erkennen lassen, sondern nahtlos ineinander übergehen.

Eine Besonderheit des Konzeptes essbarer Waldgärten besteht darin, dass es keine Bodenbearbeitung gibt, außer Mulchen. Dadurch wird jährlich wertvoller Humus gewonnen.

Sobald viel Boden wie in natürlichen Waldsystemen beschattet wird, entsteht eine CO2 Senke, dh. CO2 wird durch Humusbildung in der Erde gebunden. Humus führt zu Pflanzenwachstum, welches dafür CO2 aus der Luft benötigt. Sauerstoff wird abgegeben. Ein utopischer Gedanke: Das CO2 Problem der Erde wäre innerhalb einer Generation lösbar, wenn alle Landwirte ihre Produktion auf essbare Waldgärten umstellen würden.

Waldgärten sind außerdem resilient, d.h. sie besitzen durch die große Artenvielfalt eine starke Widerstandskraft gegen Schädlinge, Klimaveränderungen, etc.

Unser herkömmlicher Gartenbau ist nicht auf Sukzession ausgerichtet, d.h. jedes Jahr werden aufs Neue einjährige Pflanzen gesät. Der essbare Waldgarten dagegen macht sich nach dem Vorbild der Natur die Sukzession zunutze, d.h. die Abfolge der Arten innerhalb eines Systems. So bereiten Pionierpflanzen (Schmetterlingsblütler, die in der Lage sind, mit ihren Wurzeln Stickstoff zu sammeln) den Boden vor für spätere edlere Arten bzw. sie werden gleichzeitig gepflanzt und weichen den dann aufstrebenden Obst- und Nussbäumen.